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Ein Artikel über die DMR

Unter den Augen von Pionieren lernen Rhine-Army-Soldaten Züge zu fahren



38 2068 war eine der deutschen Loks, die bei der DMR eingesetzt wurden.
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Der deutsche Personenzug wird mit einer sanften Bremsung gegenüber von hunderten von deutschen Zivilisten bereitgestellt, die auf dem Bahnsteig von Detmold in einer Reihe stehen. Ein grinsendes Gesicht, schweißverschmiert und schmutzig, guckt aus dem Führerhaus, winkt dem Stationsvorsteher, einem Pionier-Sergeant, und ruft „Wieder pünktlich auf die Minute, Sergeant!“.
Es ist der 2.18-Uhr-Zug, einer der deutschen gemischten Personen- und Güterzüge, die täglich zwischen Herford und Altenbeken auf der Bahnlinie fahren, die jetzt als die BOAR-Trainings-Eisenbahn bekannt
ist. Hier werden alle sechs Wochen 70 Royal Engineers ausgebildet, um Lokführer, Heizer, Rangierer, Stellwerker, Bremser, Mechaniker, Fahrdienstleiter, Werkmeister und Stationsvorsteher zu werden. Anfang Mai hat die Kontrollkommission die 20 Meilen lange eingleisige Nebenstrecke, die durch die reiche, landwirtschaftlich genutzte Gegend von der Stadt des ehemaligen Rheinarmee-Hauptquartiers nach Altenbeken südlich von Himmighausen führt, übernommen. Sie wurde der Army zum Betrieb durch die „153 Railway Operating Coy“ aus zweierlei Gründen übergeben: Erstens sollen junge Soldaten im Betrieb einer Eisenbahn ausgebildet werden, und zweitens

Sergeant W. Cooper und Sergeant F. Redsdale inspizieren im Bahnhof Detmold landwirtschaftliche Maschinen der Firma Ottomeyer, die für die amerikanische Zone bestimmt sind.
soll dem Vorkriegs-Eisenbahner, der zum Dienst zurück kehrt, eine Auffrischung seiner Kenntnisse gegeben werden.
Die Royal Engineers, in der Männer dienen, die schon während des Krieges Eisenbahnen in Persien, Afrika, Italien, Frankreich, Deutschland, Belgien und Holland betrieben haben, und die wegen des Truppenabzuges die letzten verbliebenen Experten sind, fingen dort an, wo die Deutschen aufgehört haben. Der Bahnbetrieb war langsam und unrentabel, die Maschinen mussten repariert werden und die Verwaltung war schlecht. Heute haben die Pioniere die Betriebsführung so verbessert, dass sogar die deutschen Zivilisten voll des Lobes sind.
Das Experiment, Pioniere auf einer aktiven Eisenbahnstrecke auszubilden, wo alle Pflichten ausser denen der Arbeiter von Auszubildenden unter Anleitung erfahrener Royal Engineers ausgeführt werden, ist enorm erfolgreich. Es ist wohl eine der wenigen Möglichkeiten, die Ausbildung von Soldaten und die Ausführung einer echten Operation zu vereinen. Jede Woche erbringen diese Pioniere mehr als 70 Personenzugleistungen. Jeden Tag ist die Strecke für 21 Stunden geöffnet. Über 6000 Tonnen Fracht – Maschinen, landwirtschaftliche Erzeugnisse, Holz und andere Güter – werden täglich von den Royal Engineers von Herford aus transportiert und in Altenbeken an deutsche Eisenbahner übergeben.


Die War Department 78675 "The Sapper" (W. D. 8675 > 78675 (Vulcan Foundry 1944 5076) Die Lokführer- und Heizer-Azubis verschnaufen nach der Einfahrt in Detmold.



Die "Sapper" (deutsch: Pionier) ist der Stolz der 153 Railway Operating Coy.
Als ich Detmold letztlich besuchte, war meine erste Begegnung mit der Militäreisenbahn ein riesiges Schild über dem Haupteingang des Bahnhofs, auf dem stand: „Detmold Military Railway, Royal Engineers“. Es ist ein beeindruckendes, aber ungewöhnliches Schild, aber die Arbeit, die die Männer der 153 Railway Operating Coy tun, ist ebenfalls beeindruckend und ungewöhnlich.
In einem winzigen Büro mit Betonwänden hinter einer Baumgruppe finde ich den Pionier T. Gorton, einen dunkelhaarigen Jungen aus Nordengland. Er wird zum Fahrdienstleiter ausgebildet, und als ihn da sitzen sehe, wie er ruhig die Betriebsstellen überprüft, die seine Züge bereits erreicht haben und Befehle an die Bahnhöfe entlang der Bahnlinie ausgibt, kann man sich gut vorstellen, dass er diese Aufgabe auch daheim in England sehr effizient erledigen könnte.
Auf dem Bahnsteig, die ungeduldigen deutschen Zivilisten in eine Art Ordnung führend, wischt sich der Stationsvorsteher, Sergeant Thomas Mackie, den Schweiss von der Stirn. „Man muss diese Leute
ständig im Auge haben. Sie sind so verdammt wild darauf, in den Zug zu kommen!“, sagt er. Die Menge der Deutschen drängt wieder vorwärts, als der Zug sich nähert. „Hab‘ ich euch nicht gesagt, dass ihr aufhören sollt zu drängeln?!“, brüllt der Sergeant – und der Pöbel weicht zurück und wird wieder zur respektvollen, geordneten Menge. Das passiert jedes Mal, wenn ein Zug in Detmold einläuft, aber die drei Sergeant-Stationsvorsteher sind gut vorbereitet. „Die lernen langsam, zu warten“, sagt Sergeant Mackie, „und verschiedentlich bin ich schon darauf angesprochen worden, wie viel besser wir die Eisenbahn betreiben als es die Deutschen jemals getan haben.“ 
Abgestellt auf den Abstellgleisen ein paar hundert Meter vom Bahnhofsgebäude entfernt, steht eine Anzahl von Eisenbahnwagen, die als mobile Werkstatt dienen. Hier legt Pionier Francis McTaggert, ein Mann aus Bathgate, der am zwölften Tag nach der Invasion mit einem Schiffstransport landete, letzte Hand an einen neuen Bolzen, der für eine der deutschen Lokomotiven benötigt wird.
Mit ihm arbeiten andere Pioniere, die meisten vor dem Krieg Eisenbahnarbeiter in England bei den großen Gesellschaften, die wieder „auf Tuchfühlung“ mit der Eisenbahn gehen. Einer von ihnen ist Pionier Fred Dudley, der vor dem Krieg 18 Jahre lang für die LNER als Mechaniker in Doncaster gearbeitet hat.
Im Lokschuppen, bei den Eisenbahnern als „Rundhaus“ bekannt, unterrichtet Sergeant Fred Redsdale kommende Lokführer und Heizer. Seit Anfang Mai sind 40 Pioniere durch seine Hände gegangen und sind zu ihren Einheiten mit der Befähigung zurückgekehrt, eine deutsche Eisenbahn betreiben zu können, wenn es von ihnen verlangt wird. Schuppen-Vorarbeiter ist Sergeant Walter Cooper, der vor dem Krieg Heizer auf der Monument Lane in Birmingham bei der LMS war. Er hat noch ein Jahr drangehängt, um jungen Soldaten das Eisenbahngeschäft beizubrigen. Schuppen-Chef ist Captain T. W. Moore, der vor dem Krieg bei der argentinischen Eisenbahn arbeitete.
Die Pionier-Einheit unterrichtet auch die Methoden ziviler und


Sergeant Cooper, Schuppenvorarbeiter im Detmolder Lokschuppen, repariert ein Maschinenteil in der mobilen Werkstatt.



Sergeant Redsdale an der Drehmaschine in der Werkstatt des Lokschuppens.
militärischer Signalisierung und alle anderen Aufgaben, die zum Betrieb der Eisenbahn nötig sind. Für die ersten drei Wochen sind die Auszubildenden in der Schule in Lage, ein paar Meilen von Detmold entfernt; dort lernen sie die Theorie des Eisenbahnbetriebes. Der Rest des Kurses ist Praxis. Wenn die Pionier-Eisenbahner Lage in Richtung Detmold verlassen, bleiben sie bis zum Ende ihres Kurses im Dienst. Sie leben in aus umgebauten Eisenbahnwagen vorgefertigten Quartieren, die auf einem der Nebengleise abgestellt sind. Nach bestandener theoretischer und praktischer Prüfung verlassen sie Detmold.
In der näheren Zukunft werden die Pionier-Eisenbahner auch in der Lösung von Problemen im Streckenbau ausgebildet, die in ihrem Einsatzgebiet auftreten können. Auf einem Teil seiner Länge kann auf der Nebenstrecke zwischen Herford und Altenbeken ein zweites Gleis gelegt werden, und diese Arbeit wird in ein paar Wochen beginnen. So ist ein erstklassiges Training im Gleisbau und im Betrieb einer mehrgleisigen Strecke möglich. Darüber hinaus verläuft die Strecke entlang des Flusses Werre, der auch Möglichkeiten zu Brückenbauübungen bietet. Später werden dann auch noch Reparaturübungen zur Behebung von Schäden nach Zerstörungen und Bombardierungen ausgeführt werden.
E. J. Grove
Quelle: Soldier Magazine,
Magazin des britischen Verteidigungsministeriums
Ausgabe September 1946, Seite 20/21
Übersetzung: Jochen Löscher

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